News

Den Brief in der Tasche

Am Ende einer Ausbildung auf dem Bau steht seit vielen hundert Jahren die Lossprechung. Bei Gottlob Rommel werden solche Traditionen & Bräuche gepflegt und gelebt. Am letzten Dienstag im September 2018 war es wieder soweit.

Lossprechung? Bei dieser Zeremonie sagen sich Lehrlinge, oder neudeutsch Auszubildende, nicht etwa vom Unternehmen los und gehen ihrer Wege auf dem Arbeitsmarkt. Ulrich Scheible, Sie als Bauleiter und Azubi-Betreuer bei Gottlob Rommel, müssen es ganz genau wissen...

Ha noi, wir wollen von uns ausgebildete junge Leute natürlich im Unternehmen halten! Wer die drei Jahre Lehre absolviert hat, kann immerhin schon eine Menge.

Bei den Handwerkszünften im Mittelalter war es wohl so, dass ein Lehrling am Ende seiner Lehrjahre von seinem Meister losgesprochen wurde. Ab diesem Zeitpunkt war er Geselle und hat erstmals Geld verdient. Traditionell wurde bei der Lossprechungszeremonie auch auf einen erfolgreichen Abschluss angestoßen. Das war am Ende meiner Lehrzeit vor über 30 Jahren so und das machen wir heute noch genauso. Schließlich sind es solche Traditionen, die den Bauberuf und das Handwerk allgemein zu etwas ganz Besonderem machen, oder?

 

Auf der diesjährigen Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Stuttgart, haben Sie, Felix Weiss, Ihren Gesellenbrief erhalten und wurden dazu noch für gute Leistungen ausgezeichnet. Zweimal Glückwunsch! Welche Zeit war für Sie denn die schwierigste in Ihrer Ausbildung?

Hm, das war gleich am Anfang. Ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Bau und musste erst mal in die Materie reinkommen, etwa die ganzen Baubegriffe verstehen. Aber ich wollte unbedingt handwerklich schaffen und abends auch sehen, was mein Werk des Tages ist. Das war für mich die Motivation, auf den Bau zu gehen.

Jetzt habe ich den Brief in der Tasche und als Geselle werde ich künftig viel selbständiger arbeiten als bisher. Innerhalb der Kolonne werde ich auch mehr Verantwortung übernehmen. Natürlich gibt es noch eine Menge Fähigkeiten, die ich mir aneignen muss. Da bin ich froh, dass ich bei meinen erfahreneren Kollegen bleibe und mir auch künftig noch viel bei ihnen abschauen kann.

 

Traditionell war es ja so, dass der junge Geselle das Lossprechungsmahl bezahlen musste. Sie auch?

Die gestrige Zeremonie von der Kreishandwerkerschaft war ja mit über 100 jungen Gesellen aus ganz verschiedenen Unternehmen etwas größer. Außerdem waren auch gar nicht alle Kollegen aus meiner Kolonne da. Aber ja, in den nächsten Tagen geht eine Vesper mit Leberkäsweckle auf mich.

Tradition ist mir schon wichtig. Ich denke, das schweißt uns als Team auf der Baustelle zusammen. Den Gesellenbrief werde ich mir übrigens an die Wand hängen: Wie der Kreishandwerksmeister sagte, ist das ein Wertpapier für mich, das habe ich mir erarbeitet und das kann mir keiner nehmen.

 

Herr Scheible, das ein Azubi von Gottlob Rommel zu den besten seines Jahrgangs innerhalb der Kreishandwerkerschaft gehört, ist sicherlich kein Zufall, denn das Unternehmen tut eine Menge für den Nachwuchs. Was genau?

Also der Felix hat sich seinen Erfolg zuerst einmal natürlich selbst erarbeitet. Ohne Motivation und Neugier und sicherlich auch Durchhaltevermögen geht da nix. Aber klar, seit meiner Lehrzeit vor über 30 Jahren haben wir die Ausbildungsbetreuung bei Rommel stetig verbessert und versuchen, Rückenwind zu geben, wo es geht.

Das heißt zum Beispiel, dass die Azubis bei uns verschiedene Stationen im Unternehmen durchlaufen: Neubau, Umbau, Betoninstandsetzung. Da sieht man schnell, wer wo seine Stärken hat und welche Azubis mit welchen Polieren gut können. Weiterhin unterstützen wir unsere Azubis bei den Prüfungsvorbereitungen: Bei uns auf dem Bauhof spielen wir dann komplette Prüfungsaufgaben der Vorjahre durch, zum Beispiel eine Schalung zu erstellen, ein Drahtgebinde flechten oder mit dem Nivelliergerät arbeiten. Schließlich gibt es bei Rommel einen Schulungstag zum Thema "Vom Azubi zum Gesellen" mit einem speziell ausgebildeten Coach. Dabei geht es um Sozialverhalten auf der Baustelle oder Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Einmal Lehrling, immer Lehrling - das gilt bei Gottlob Rommel nämlich nicht.

Veröffentlicht am:
Zurück